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Ode an Niederbayern

Veröffentlicht am 26.11.2018

Heimat spüren, sehen, riechen, hören. Heimat auf sich wirken lassen. In einer Ode und einer Erzählung schreiben zwei Frauen über Niederbayern heute, Niederbayern früher und Niederbayern  vor vielen tausend Jahren, als Haifische hier ihr Revier hatten.

Ode an Niederbayern

In Niederbayern bin ich zu Hause
Der Duft von Wald und Erde liegt hier in der Luft
Ich atme ein in tiefen Zügen
Und singe laut aus voller Brust.

In Niederbayern will ich leben
Vergessen ist die Hast in mir
Der Wald, er lässt mich ruhig werden
Und Stille kann ich hören - hier.

In Niederbayern will ich wandern
Von Burg zu Burg, von Tal zu Tal
Und über wilde Bäche springen
Ein übers andre Mal.

In Niederbayern will ich sterben
wenn es dereinst soweit wird sein
hier will ich meine Augen schließen
Ade, du schöne Welt, dann geh ich heim.
Elisabeth Fischer

 

Niederbayern:
Das ist für mich Nadeln aus der Schublade nehmen und anfangen einen Strumpf zu stricken. So wie meine Urgroßmutter es meiner Mutter gezeigt hat. Meine Urgroßmutter wanderte mit ihren selbstgestrickten Socken über das niederbayerische Hügelland von Bauernhof zu Bauernhof und bot dort das Selbstgestrickte feil, für Knechte und Mägde und für die Bauersleute selbst, auch für das Gesinde eines Grafen. Ich sehe die Burg vor mir. Sie klopft mit ihrem Wanderstecken an das Burgtor.

Niederbayern: 
Das ist für mich in den Wald gehen und Kräuter sammeln. Zinnkraut hat meine Urgroßmutter gesammelt, und damit wanderte sie wiederum übers Land, von Dorf zu Dorf, von Bauernwirtshaus zu Bauernwirtshaus und bot dort ihre Zinnkrautbüschel an. Die Gastwirte kauften sie zum Säubern der Zinndeckel ihrer Bierkrüge.
Meine Urgroßmutter! Ich sehe sie zupfen, ich sehe sie sammeln. Ich sehe sie in derben Schuhen, in einem langen Rock, ein Tuch über den Schultern und einen Trägerkorb auf dem Rücken verwachsene Pfade und steinige, lehmige Feldwege entlanggehen. In der Ferne sieht sie schon den Kirchturm des nächsten Dorfes hinter den Baumwipfeln hervorlugen. Sie ist müde, aber sie geht zielstrebig weiter. Nachdem sie alles verkauft hat, schläft sie in einer Scheune im Heu.
Ich suche alte Wege. Ich ergehe das Land. Spurensuche! Alte Bäume und Bauernhöfe, die es damals schon gab. Kühe auf der Weide. Ich lasse die Vergangenheit unter den Schritten meiner Füße in das Heute gleiten.

Niederbayern:
Das sind Wegkreuze und kleine Kapellen. Ich trete ein. Ich sehe die Votivtafeln: „Maria hat geholfen“. Ich lese die Inschriften. Ich bin der Mann, ich bin die Frau in Not, der Maria damals geholfen hat. Auch meine Urgroßmutter betete.

Niederbayern:
Das ist Geborgenheit, da ist Eingebettet sein; das ist auf Du und Du mit den Heiligen, die man im Gebet angerufen hat und von denen man Hilfe bekam.
Ich bin nicht katholisch, aber ich setze mich in eine Kirchenbank und flüstere vor mich hin: „Maria, Schutzpatronin, beschütze mein Heimatland.“

Niederbayern:
Früher war es ein Meer. Das hat mir mein Vater gesagt, der in der Niederbayerischen Schotterwerken arbeitete, wo man den Granit absprengte. Granitland, Steinland, Steinernes Meer.
Einmal brachte er einen Haifischzahn von der Arbeit mit nach Hause. Haifische schwammen durch den Wald, den es damals noch nicht gab. Der Wald, das waren damals Korallen und Felsenkliffe am Strand.

Niederbayern:
Du bist die Urgroßmutter, ur-ur-uralt, und Haie waren deine Bewohner.
Ilona Haslbauer

 

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