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Wer ich bin und was ich sein könnte

Veröffentlicht am 22.10.2018

Wer ich bin? Keine Ahnung! Es fällt viel einfacher, sich in Metaphern zu beschreiben. Da findet die Fantasie jede Menge Spielraum, und zwischen den Zeilen kann man so manches erahnen. Welche Farbe verkörpere ich, was für ein Kleidungsstück wäre ich in einem anderen Leben? Und aus welchem Material bin ich gemacht: aus weicher Seide, aus hartem Holz, aus knisterndem Kunststoff?

Zähigkeit des Lebens

Ich bin das Harz,
flüssig und geschmeidig,
voll Neugier und
nicht ahnend, was da kommt,
seinen Weg sich sucht.

Zwischen Ritzen blitzend
bin ich
das Harz,
nicht wissend,
dass ich Tränen bin.

Erstarrt im Fluss
goldgelb schimmernd,
beharrlich an den Riss geklebt
verharre ich und halt inne
als Harz, das ich nun bin.

Erwächst in mir die zähe Macht,
beweg ich mich in weicher Wärme
berührst du mich, bleib ich dir treu
und anhänglich ergeben
und werde Harz in deinem Leben
D. Kronawitter



Wenn ich Holz wäre! 

Wäre ich Holz, dann wäre ich bestimmt ein Wildkirschbaum.
Mit dickem Stamm und ausladender Krone.
Die Rinde, im Laufe der Jahren rissig geworden
und an einigen Stellen würde Harz austreten,
was Verletzungen sind, die im Begriff sind zu heilen.
Meine Äste würden weit hinausragen
und meinen Wurzelbereich beschatten.
Im Inneren das rote Holz, als ob es bluten würde.
Adern, die sich unter der Rinde winden.
Jedes Jahr wieder eine neue Schicht.
Die Maserung durch Klimaeinflüsse
oder kleine und große Verletzungen,
hätte im Laufe der Jahre wilde Formen angenommen.
Das wird erst sichtbar werden, wenn ich mein Leben lasse.
Dann wird mein Innerstes nach außen gekehrt
und meine innere Schönheit kommt zum Vorschein.
Das rote Holz einer Wildkirsche. 
Elisabeth Fischer


Wenn ich ein Seidenschal wäre!


Wenn ich zum Seidenschal würde,
ich müßte groß sein
sodass man mich zwei, drei Mal
um den Hals schlingen könnte.
Schimmern möchte ich
in allen möglichen Blauschattierungen,
wie wogendes Wasser.
So würde ich aussehen wollen.
Und der Mensch, der mich am Hals hat,
sollte liebevoll mit mir umgehen.
Denn wenn nicht,
könnte ich ganz schnell
die Schlinge zu ziehen.
Elisabeth Fischer


Wenn ich ein Schal wäre 

Wenn ich ein Schal wäre,
der schützend meinen Hals umhüllt,
sich wie Seide anfühlt
und die Haut umschmeichelt,
dabei bunt und fröhlich wirkt.
 

Wenn ich ein Schal wäre,
flatternd im Wind, nicht flatterhaft,
festgehalten, trotzdem frei,
lose unter dem Mantel versteckt,
neugierig heraus schauend,
durch Konventionen zurückgehalten.

Wenn ich ein Schal wäre,
seidig glänzend, attraktiv,
umgeben von Parfum und Luxus.
Bin ich das? Wunschdenken und Fantasie?
Zurück auf den Boden der Tatsachen. Baumwolle!

Wenn ich ein Schal wäre,
reißfest, vom vielen Tragen aus der Form,
weichgespült.  Was macht das schon?
Die Farben verloren, grau,
von der Zeit geprägt und trotzdem
heiß geliebt.
 C. Fischer 

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